Die Förderung biomedizinischer Forschung zu ME/CFS und Long COVID ist das erklärte Ziel der ME/CFS Research Foundation seit der Gründung vor vier Jahren. Mit unserer aktualisierten Förderstrategie für das Jahr 2026 konkretisieren wir unser Engagement für bessere Diagnostik und potenzielle Therapieoptionen.
Im Fokus der bisherigen Förderstrategie, die wir seit August 2023 umsetzen, stand der Erhalt und Ausbau der seit 2022 entstandenen ME/CFS-Forschungsnetzwerke in Deutschland. Die damals gesetzten Prioritäten haben, der im Aufbau befindlichen ME/CFS- und Long COVID-Forschung, an wichtigen Stellen Rückhalt und neue Impulse gegeben.
Rückblick auf unsere Prioritäten und Aktivitäten der letzten Jahre:
- Vernetzung von Forschenden: die International ME/CFS Conference im Mai in Berlin hat sich als wichtiges Vernetzungs-Treffen führender Forschender weltweit etabliert. Im Mai 2025 wurde dort u.a. die Internationale Deklaration zur Unterstützung der Forschung und Arzneimittelenwicklung für ME/CFS und Long COVID initiiert. Ergänzend stellen wir mit dem ME/CFS Research Register eine aktuelle Übersicht der ME/CFS Forschung in bisher 6 Ländern zur Verfügung, als zusätzliches Informations- und Vernetzungs-Tool für Forschende und andere Interessengruppen.
- Erhalt seit 2022/23 geschaffener zentraler Forschungsverbünde und -strukturen: Die Projektförderung am Münchner Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC) konnte grundlegende Infrastrukturen der Forschung übergangsweise erhalten, zu einem Zeitpunkt als deren öffentliche Weiterfinanzierung noch nicht garantiert war.
- Erweiterung um neue Themen und Förderung einzelner Projektvorhaben: Sowohl das an der Charité – Universitätsmedizin Berlin geförderte Forschungsprojekt zu ME/CFS-Biomarkern und –Krankheitsmechanismen als auch die Co-Förderung der Modellstation für schwerbetroffene Kinder und Jugendliche des MCFC haben dieses Ziel adressiert. Über weitere bereits angelaufene Förderprojekte an der Charité – Universitätsmedizin Berlin werden wir demnächst berichten.
- Ausweitung von Fundraising und Förderung von Projektvorhaben im EU-Ausland: Unser Fundraising konnten wir zuletzt erfolgreich ausbauen (vgl. Halbjahresbericht Sommer 2025). Die Ausweitung unserer Projektförderung auf das EU-Ausland konnte bisher nicht umgesetzt werden. Wichtige Voraussetzungen dafür – eine nachhaltige Übernahme der Förderverantwortung in Deutschland durch Politik, etablierte Förderinstitutionen und die pharmazeutische Industrie – waren bisher leider noch nicht gegeben.
Ergänzend zu den bisherigen Förderprojekten konnten wir mit dem ME/CFS Research Register, dem ME/CFS-Forschungsupdate (auch für die Niederlande / Schweiz und zuletzt Norwegen / Island) sowie der Studie zu Prävalenz und Kosten von Long COVID und ME/CFS ein faktenbasiertes Informationsangebot aufbauen, das von der Presse, anderen Organisationen und auch der Politik zunehmend genutzt wird.
Veränderung der Forschungslandschaft durch die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“
Die kürzlich angekündigte Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen (externer Link) eröffnet große Chancen für die ME/CFS- und Long COVD-Forschung und wird hoffentlich die nachhaltige Finanzierung umfassender Forschungsstrukturen endlich möglich machen. Erste Dekaden-finanzierte Förderprojekte werden jedoch frühestens Ende 2026 starten (mit Ergebnissen ist erfahrungsgemäß ca. 1-2 Jahre später zu rechnen). Bevor die angekündigten Fördermittel vergeben werden (50 Mio. EUR pro Jahr ab 2026 bis 2036), müssen zunächst Förderkriterien definiert, Vergabeverfahren aufgesetzt, Bewerbungsphasen für Forschende etabliert und koordinierende Strukturen für das Dekaden-Programm geschaffen werden.
Das Jahr 2026 stellt somit eine Art „Übergangsphase“ da, für die ME/CFS-Forschungsförderung in Deutschland sowie für die über 1,5 Mio. Betroffenen und ihre Angehörigen. Um in dieser Zeit neue Projekte zu ermöglichen, wird die ME/CFS Research Foundation im ersten Quartal 2026 ein neues Förderprogramm ausrufen. Ergänzend dazu werden wir gemeinsam mit den Betroffenen-Organisationen die inhaltliche Ausgestaltung der öffentlichen „Dekaden-Förderung“ konstruktiv begleiten.
Welche Förderprioritäten setzen wir für das Jahr 2026
Das definierte Ziel für unser Förderprogramm 2026 ist es, biomedizinische Forschung zu fördern, die in den nächsten Jahren wesentlich zur Verbesserung der Diagnose und der Ermöglichung krankheitsmodifizierender Behandlung von ME/CFS beiträgt. Wir werden dafür Grundlagenforschung / translationale Forschung und klinische Forschung ermöglichen, die sich mit ungeklärten oder unzureichend verstandenen Krankheitsmechanismen, Biomarkern und Behandlungsoptionen für ME/CFS befasst.
Unsere Forschungsförderung unterstützt im Jahr 2026 Projekte, die sich auf Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit folgenden Aspekten befassen:
- Aufklärung der Krankheitsmechanismen, die zentralen ME/CFS-Symptomen zugrunde liegen, wie z. B. PEM (post-exertionelle Malaise), Schmerzen, Muskelschwäche, kognitive Dysfunktion, Durchblutungsstörungen, Schlafstörungen und Dysautonomie.
- Entwicklung zuverlässiger, diagnostischer, prognostischer oder prädiktiver Biomarker zur Stratifizierung von ME/CFS-Patient*innengruppen (unter Berücksichtigung wichtiger Variablen wie Geschlecht/Gender, Alter, Krankheitsdauer und Schweregrad). Den Schwerpunkt legen wir dabei auf Vorhaben zur Untersuchung von Autoimmunität, Immundysregulation, Stoffwechselstörungen, Entzündungen, Gefäßfunktionsstörungen und Funktionsstörungen des Nervensystems als ursächliche Faktoren für die Entstehung und das Fortschreiten von ME/CFS.
- Testung innovativer, an Krankheitsmechanismen ausgerichteter Medikamente und Behandlungsansätze auf ihre Eignung für eine wirksame und sichere Behandlung von ME/CFS. Dies inkludiert bereits für andere Erkrankungen zugelassene Medikamente, wie z. B. CD19+oder CD20+ B-Zell-Depletion, CD38+ Plasmablasten-/Zell-Depletion, B-Zell-Rezeptor-Signalübertragung- und Granulozytenhemmung, selektive B/T-Zell-Depletion, Hemmung der Plasmazellreifung und
Die Bewertung und Auswahl förderwürdiger Projektanträge im Rahmen des neuen Förderprogrammes basiert auf Kriterien, die in enger Zusammenarbeit mit unserem wissenschaftlichen Beirat definiert wurden. Details zum Bewertungsverfahren und den Kriterien werden wir zeitnah veröffentlichen.
Ende 2026 werden wir die bis dahin definierten Inhalte der öffentlichen Forschungsförderung im Rahmen der „Nationalen Dekade” sowie das sonstige Förderumfeld erneut bewerten und unsere Förderstrategie für 2027 und darüber hinaus entsprechend ausrichten.
Welche Rolle hat die ME/CFS Research Fundation zukünftig?
Auch die anderen Arbeitsbereiche der Stiftung wollen wir nach Möglichkeit weiter ausbauen. Insgesamt sind wir in den folgenden Bereichen aktiv:
- Forschungsförderung (vgl. die oben genannten Prioritäten für 2026)
- Forschungsvernetzung (z.B. International ME/CFS Conference 2026, ME/CFS Research Register)
- Forschungsfortschritte transparent machen
- Fakten und Ressourcen für Aufklärung und Information bereitstellen
- Fundraising und Awareness (als Basis unserer Arbeit)
Forschende aus unserem Netzwerk, die Patient*innen-Organisationen und wir sind überzeugt, dass es weiterhin starke private Partner*innen wie die ME/CFS Research Foundation im Bereich der ME/CFS-Forschungsförderung benötigt, um in der nun beginnenden kritischen „Übergangsphase“ die richtigen Impulse zu setzen, mit Blick auf eine inhaltlich und strategisch zielführende Ausrichtung der „Nationalen Dekade”. Wir sind uns dieser Rolle bewusst und setzen alles daran, der gewachsenen Verantwortung gerecht zu werden.
Für unser zukünftiges Engagement hoffen wir weiterhin auf die starke Unterstützung der Betroffenen, Angehörigen und zunehmend auch der breiteren Öffentlichkeit!
Wie kann man die Arbeit der ME/CFS Research Foundation unterstützen?
Wir setzen uns dafür ein, dass Diagnose, Versorgung und Therapie von ME/CFS-Betroffenen eines Tages medizinischer und sozialer Standard werden. Als ME/CFS Research Foundation fokussieren wir uns auf die biomedizinische Forschung, in der wir das Schlüsselelement zur Lösung dieser Probleme sehen (mehr dazu in unserer Förderstrategie und im Halbjahresbericht Sommer 2025, der unsere Aktivitäten zusammenfasst). Dafür brauchen wir umfassende Unterstützung von privaten Spendenden – Betroffene, Angehörige, Familien, Freunde, Vereine, Schulen, Netzwerke, Unternehmen, Initiativen, Veranstaltende und alle Unterstützenden. Und wer nicht direkt fördern kann, kann unsere Story teilen und so andere motivieren zu helfen. Denn nur gemeinsam ist so ein Kraftakt möglich.
Wir überführen Spenden und sonstige Unterstützung vollständig in wissenschaftlich exzellente Forschung, Vernetzung der Forschenden und schließlich sichtbare Erfolge, d.h. bessere Diagnostik und Therapien. Dabei arbeiten wir mit anderen Organisationen und Initiativen gerne zusammen – kommen Sie auf uns zu!
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