Noch in diesem Sommer starten sieben neue Forschungsprojekte mit Förderung der Stiftung in Höhe von insgesamt 2,4 Millionen Euro. Die Projekte wurden aus mehr als 30 Einreichungen von einer wissenschaftlichen Jury aus internationalen Expert*innen sowie dem wissenschaftlichen Beirat und dem Team der Stiftung ausgewählt. Die Förderprojekte erforschen neue Therapieansätze, Krankheitsmechanismen und Biomarker.
Im Februar 2026 hatten wir unser Research Funding Programme 2026, ein offenes Ausschreibungsverfahren für die Förderung von ME/CFS-Forschungsprojekten veröffentlicht. Das Programm soll biomedizinische Forschung unterstützten, die sich mit ungeklärten oder unzureichend verstandenen Krankheitsmechanismen, Biomarkern oder Therapieoptionen für ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) befasst.
Mehr Forschung dank steigender Spendeneinnahmen
Das zum Jahresbeginn angekündigte Fördervolumen von 2 Millionen Euro konnte dank wachsender Spendeneinnahmen der letzten Monate auf insgesamt 2,4 Mio. Euro gesteigert werden. Mit diesem Geld werden sieben Forschungsvorhaben an acht verschiedenen Einrichtungen in Deutschland ermöglicht. Die Förderprojekte adressieren die Themen B-Zell-Depletion, Genetik, Biomarker zu Autoimmunität, Immundysregulation und Entzündungen sowie die Stratifizierung von an ME/CFS erkrankten Kindern und Jugendlichen.
Kurzvorstellung der ausgewählten Förderprojekte
1. TAME – CD19-gerichtete B-Zell-Therapie bei postinfektiösem autoimmunem ME/CFS mit dem monoklonalen Antikörper Tafasitamab: offene Anschlussstudie nach einer randomisierten, placebokontrollierten Phase-II-Studie mit dem CD19-Antikörper Inebilizumab
Projektverantwortliche: Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen & Dr. Judith Bellmann-Strobl
Projektstandort: Charité – Universitätsmedizin Berlin
Themenfokus: Therapie
Zusammenfassung: Das Projekt untersucht, ob der monoklonale Antikörper Tafasitamab eine wirksame Behandlung für eine Untergruppe von ME/CFS-Patient*innen sein kann, bei denen fehlgesteuerte B-Zellen und Autoantikörper nachweisbar sind. Teilnehmende erhalten den Wirkstoff entweder erstmals oder als Fortsetzung einer vorangegangenen B-Zell-Depletionstherapie. So wird geprüft, ob Tafasitamab Symptome nachhaltig verbessern kann und sich als kostengünstigere Alternative zu ähnlichen Therapien eignet.
Mehr Details zum Projekt:
Zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen dafür, dass bei einer Untergruppe der ME/CFS-Patient*innen Autoantikörper und fehlgesteuerte B-Zellen eine wichtige Rolle spielen. In Studien, unter anderem an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, führte die Immunadsorption – die Entfernung von zirkulierenden Antikörpern aus dem Blut – bei einem Teil der Behandelten zu einer deutlichen, jedoch häufig nur vorübergehenden klinischen Besserung, vermutlich weil sie nur begrenzt auf die Antikörper-produzierenden B-Zellen wirkt. Die gezielte Entfernung antikörperproduzierender Zellen durch therapeutische monoklonale Antikörper ist bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen eine etablierte Behandlungsstrategie. Das Projekt TAME untersucht den CD19-Antikörper Tafasitamab als möglichen neuen Therapieansatz für ME/CFS. Tafasitamab greift B-Zellen und Plasmablasten an, die an der Bildung krankheitsrelevanter Autoantikörper beteiligt sind. TAME wird als direkte Folgestudie einer bereits vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten placebo-kontrollierten PIONEER-Studie mit dem CD19-Antikörper Inebilizumab umgesetzt. Ziel ist es zu prüfen, ob Tafasitamab ähnlich wirksam wie Inebilizumab eine B-Zell-Depletion und klinische Remission erreichen oder aufrechterhalten kann. Tafasitamab ist deutlich kostengünstiger als Inebilizumab, jedoch liegen bislang nur sehr begrenzte Daten für seine Anwendung bei Autoimmunerkrankungen vor. In die TAME-Studie werden 38 Patient*innen eingeschlossen, die zuvor an der PIONEER-Studie teilgenommen haben. Je nach Studienarm in der PIONEER-studie erhalten sie Tafasitamab in unterschiedlichen Behandlungsregimen entweder erstmals als B-Zell-depletierende Therapie oder als Erhaltungstherapie nach vorausgegangener Behandlung mit Inebilizumab. Die Studie soll wichtige Erkenntnisse dazu liefern, ob eine gegen CD19-gerichtete B-Zell-Therapie ein vielversprechender Therapieansatz für eine immunologisch definierte Untergruppe von ME/CFS ist.
2. Genetische Determinanten von postinfektiösem ME/CFS: eine Studie an 50 Familien
Projektverantwortliche: Prof. Dr. Nataliya Di Donato
Projektstandort: Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Themenfokus: Krankheitsmechanismen
Zusammenfassung: Das Projekt untersucht Familien, in denen mehrere Angehörige an ME/CFS erkrankt sind, um genetische Risikofaktoren für die Erkrankung zu identifizieren. Dazu werden betroffene Familien medizinisch untersucht und ihre Erbinformationen mit modernsten Methoden analysiert. Ziel ist es, die biologischen Ursachen von ME/CFS besser zu verstehen und die Grundlage für bessere Diagnostik, Biomarker und gezielte Therapien zu schaffen
Mehr Details zum Projekt:
Dieses Projekt soll eine wichtige Lücke in der Erforschung der biologischen Ursachen von ME/CFS schließen, indem es Familien untersucht, in denen mehrere Familienmitglieder an ME/CFS erkrankt sind. Solche familiären Häufungen deutet darauf hin, dass vererbte genetische Faktoren zur Krankheitsanfälligkeit beitragen könnten. Im Rahmen des Projekts wird eine umfassend charakterisierte Kohorte von 50 Familien mit mindestens zwei betroffenen Mitgliedern aufgebaut. Die Teilnehmenden durchlaufen standardisierte klinische, neurologische und neuropsychologische Untersuchungen; schwer betroffene Personen werden im Rahmen von Hausbesuchen einbezogen. Blutproben werden mittels modernster Long-Read Gesamt-Genom-Sequenzierung (WGS) analysiert, um komplexe genetische Variationen, strukturelle Varianten, Repeat-Expansionen und DNA-Methylierungsmuster zu identifizieren, die zur Krankheitsanfälligkeit beitragen könnten. Weitere Bioproben werden in der Hannover Unified Biobank gelagert, um künftige Untersuchungen zur Immunfunktion und zu anderen molekularen Mechanismen zu ermöglichen. Durch die Kombination umfassender klinischer Phänotypisierung mit fortschrittlichen Genomik-Technologien zielt das Projekt darauf ab, genetische Anfälligkeitsfaktoren für postinfektiöses ME/CFS zu identifizieren, die Krankheitsstratifizierung zu verbessern und eine nachhaltige Ressource für die zukünftige Forschung zu schaffen. Die Ergebnisse sollen letztlich die Entwicklung verbesserter Biomarker, präziserer Diagnoseverfahren und zielgerichteter Therapiestrategien unterstützen.
3. STRAT4PAIS – Immunologische Endotypen pädiatrischer postakuter Infektionssyndrome (PAIS): Mechanistische Stratifizierung von ME/CFS und assoziierten postinfektiösen Erkrankungen
Projektverantwortliche: Prof. Dr. Marc Nikolaus & Fabian Dannenberg & Prof. Dr. Tilmann Kallinich & Dr. Mir-Farzin Mashreghi
Projektstandort: Charité – Universitätsmedizin Berlin & Deutsches Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ)
Themenfokus: Biomarker, Krankheitsmechanismen
Zusammenfassung: Ziel des Projekts ist es, vier häufig auftretenden Beschwerdebildern bei Kindern und Jugendlichen, die mit postinfektiösen Erkrankungen wie ME/CFS oder Long COVID leben, mit modernsten Analyseverfahren zu untersuchen und herauszufinden, ob sich hinter den Beschwerden voneinander differenzierbare Krankheitsmechanismen verbergen. Die Bildung solcher mechanistischen Untergruppen (sog. Endotypen) soll dazu dienen, die Behandlung von Kindern und Jugendlichen gezielter an den jeweiligen Krankheitsursachen ausrichten zu können.
Mehr Details zum Projekt:
Kinder und Jugendlichen, die mit postinfektiösen Erkrankungen wie ME/CFS oder Long COVID leben, werden meist behandelt, als litten sie alle an derselben Erkrankung. Jedoch ist davon auszugehen, dass sich hinter den ähnlichen Beschwerden unterschiedliche biologische Prozesse verbergen. STRAT4PAIS geht dieser verborgenen Vielfalt erstmals systematisch nach. Ausgangspunkt sind vier postinfektiöse Beschwerdebilder: auffällige Kreislauf- und Herzrhythmus-Reaktionen; eine anhaltende Auseinandersetzung des Immunsystems mit Virusinfektionen; Autoimmunprozesse; und Kopfschmerzen, bei denen sich u. a. ein erhöhter Hirndruck nachweisen lässt. Ziel ist es zu ermitteln, ob sich hinter diesen vier Bildern auch vier verschiedene biologische Mechanismen verbergen. Um das zu klären, soll das Immunsystem der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit modernsten Verfahren der Einzelzellanalyse (Single-Cell-Technologien) untersucht werden. Kern ist die Einzelzell-Transkriptomanalyse (scRNA-seq): Nach gezielter Zellsortierung wird die Genaktivität jeder einzelnen Immunzelle ausgelesen, ergänzt um die individuellen Immunrezeptoren der T- und B-Zellen (TCR-/BCR-Repertoire) und ausgewählte Oberflächenproteine. So lassen sich erschöpfte antivirale T-Zell-Zustände und autoreaktive B-Zell-Programme auflösen; parallel dazu wird das angeborene Immunsystem analysiert (NK-Zellen, Monozyten, dendritische Zellen). Eine hochdimensionale Durchflusszytometrie überprüft Befunde in der gesamten Kohorte und eine breite Protein-Multiplexanalyse (~250 Mediatoren) erfasst das Entzündungsgeschehen. Zudem wird nach Spuren reaktivierter Herpesviren (z. B. Epstein-Barr-Virus) und Autoantikörpern gesucht. Die Messungen erfolgen zu verschiedenen Momenten des Krankheitsverlaufs; im stabilen Zustand, während Post-exertioneller Malaise (PEM) und während eines fieberhaften Infekts. Gerade diese kritischen Momente, in denen der Körper unter Belastung gerät, könnten Zusammenhänge offenlegen, die im Ruhezustand verborgen bleiben. Und weil dieselben Patient*innen in verschiedenen Zuständen mit sich selbst verglichen werden, lassen sich möglicherweise die krankheitstreibenden Veränderungen besonders klar herausarbeiten. Anhand all dieser Daten soll geprüft werden, welche Patient*innen einander biologisch ähneln und sich jeweils gemeinsamen Endotypen zuordnen lassen. So soll sichtbar gemacht werden, was diese Kinder und Jugendlichen biologisch voneinander unterscheidet, und der Weg dafür bereitet werden, dass künftige Behandlungen gezielt an der jeweiligen Ursache ansetzen. STRAT4PAIS ist u.a. an das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Vorhaben PEDNET-LC angebunden.
4. Molekulare Analyse zelltodvermittelter Entzündungsmechanismen als Treiber von virusinduziertem ME/CFS
Projektverantwortliche: Dr. Gregor Ebert & Dr. Stefanie Bader
Projektstandort: Technische Universität München/Helmholtz München & Universitätsklinikum Heidelberg
Themenfokus: Krankheitsmechanismen
Zusammenfassung: Das Projekt untersucht, ob fehlgesteuerter programmierter Zelltod nach einer Virusinfektion zu anhaltenden Entzündungen bei ME/CFS und Post-COVID-Syndrom beiträgt. Mithilfe von Bildgebung, Laboranalysen und Blutproben wird erforscht, in welchen Organen diese Prozesse stattfinden und welche Rolle sie für die Erkrankung spielen. Ziel ist es, neue Biomarker und therapeutische Angriffspunkte zu identifizieren.
Mehr Details zum Projekt:
Programmierter Zelltod ist ein zentraler Abwehrmechanismus des Körpers nach Infektionen wie beispielsweise mit SARS-CoV-2, der als Bestandteil der Immunantwort die gezielte Eliminierung infizierter Zellen ermöglicht und somit die Ausbreitung der Krankheitserreger einschränkt. Gleichzeitig kann programmierter Zelltod aber entzündungsfördernde Moleküle und gewebeschädigende Signale freisetzen. Dadurch kann eine anhaltende Immunaktivierung entstehen, die zur Pathogenese postviraler Erkrankungen und zur Entstehung der charakteristischen Langzeitfolgen beitragen kann. Es ist jedoch völlig unklar, wie diese Zelltodmechanismen krankheitsrelevante chronische Entzündungsreaktionen aufrechterhalten, in welchen Organen diese Prozesse stattfinden und wie sie zur multisystemischen Symptomatik von ME/CFS beitragen. Projektziel ist es, die kausalen Zusammenhänge zwischen virusinduziertem Zelltod, chronischer Entzündung und erkrankungstypischen Symptomen zu charakterisieren. Dafür kombinieren die Projektverantwortlichen ein präklinisches in-vivo Modell der post-akuten COVID-19-Folgen mit genetischen Funktionsanalysen, moderner Ganzkörper- und Intravital-Bildgebung sowie der Analyse longitudinaler Blutproben von Patient*innen mit Post-COVID-ME/CFS. Der Ansatz verknüpft molekulare Prozesse auf zellulärer Ebene mit Organveränderungen, funktionellen Effekten und klinischen Verläufen und ermöglicht somit die Unterscheidung kausaler Signalwege von korrelativen Befunden. Im Fokus stehen Signalwege des programmierten Zelltods und einhergehender Entzündungsantworten, die mit Post-COVID-ME/CFS assoziiert sind. Ein zweistufiger Bildgebungsansatz erlaubt erstmals die systematische Kartierung von Zelltod- und Entzündungssignaturen im gesamten Organismus. Die Identifizierung dieser Signaturen wird in einer klinischen ME/CFS-Kohorte validiert, um krankheitsrelevante Blut- und Gewebemarker sowie potenziell therapeutisch adressierbare Signalwege zu identifizieren. Das Projekt soll damit grundlegende mechanistische Erkenntnisse zur Pathogenese postinfektiöser Erkrankungen liefern. Es schafft die Basis für eine Mechanismen-basierte Diagnostik, verbesserte Patient*innenstratifizierung sowie die gezielte Wiederverwendung zelltodmodulierender und antiinflammatorischer Therapien für ME/CFS und Post-COVID Syndrom.
5. Myoflame-19-Autoimmunität-Teilstudie: GPCR-Autoantikörper als mechanistische Biomarker für endotheliale Dysfunktion bei Post-COVID-ME/CFS
Projektverantwortliche: Prof. Dr. Valentina Puntmann & Prof. Dr. Eike Nagel
Projektstandort: Goethe-Universität Frankfurt
Themenfokus: Biomarker, Krankheitsmechanismen, Therapie
Zusammenfassung: Als Teilstudie der klinischen MYOFLAME-19-Studie untersucht das Projekt die Rolle von GPCR-Autoantikörpern im Zusammenhang mit einer verminderten Herzfunktion bei ME/CFS. Anhand der bereits erhobenen Daten soll außerdem ermittelt werden, ob eine Therapie mit Losartan und Prednisolon eine Verringerung des Autoantikörperspiegels bewirken könnte.
Mehr Details zum Projekt:
Das Projektteam stellt die Hypothese auf, dass der auslösende Faktor bei Post-COVID-ME/CFS eine Schädigung der Innenwände der Blutgefäße (Endothel) ist: Wenn sich das Virus an die Gefäßwände anheftet, stört es deren Schutzbarriere und legt dadurch Signalproteine auf der Gefäßoberfläche für das Immunsystem frei. Darüber hinaus wird vermutet, dass das Immunsystem im Zuge seiner Reaktion Antikörper bildet, die fälschlicherweise gegen diese Proteine gerichtet sind – und dass diese G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCR) Autoantikörper keine bloßen Begleiterscheinungen, sondern aktive Treiber kardiovaskulärer Schäden sind. Indem sie eine Verengung der Blutgefäße bewirken, die Vernarbung des Herzmuskels fördernund die Gefäßwände durchlässiger machen, verringern diese Autoantikörper das zirkulierende Blutvolumen und führen zu einer Versteifung des Herzens. Das Herz kompensiert dies durch eine erhöhte Schlagfrequenz; die Fähigkeit auf körperliche Belastung zu reagieren ist jedoch kritisch eingeschränkt – ein Muster, das einer Form der Herzinsuffizienz ähnelt, bei der der Muskel eher versteift als geschwächt ist.
In der MYOFLAME-19-Studie haben die Projektverantwortlichen zuvor untersucht, ob sich diese Kaskade durch zwei komplementäre Behandlungsansätze unterbrechen lässt: Losartan zur Entspannung der Blutgefäße und Verringerung der Vernarbung sowie niedrig dosiertes Prednisolon zur Beruhigung der Immunreaktion, die der Antikörperproduktion zugrunde liegt. Während die Hauptergebnisse der klinischen Studie noch ausgewertet werden, soll das neue Projekt erstmals im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie untersuchen, ob die Behandlung den Spiegel von GPCR-Autoantikörpern senken konnte und ob eine solche Verringerung die bei den behandelten Patient*innen beobachteten Verbesserungen der Symptome und der Herzfunktion erklären kann. Unter Verwendung bereits vorliegender Blutproben aller MYOFLAME-19-Proband*innen soll dieses Projekt – als Teilstudie von MYOFLAME-19 – einen direkten Nachweis für einen Zusammenhang zwischen der gezielten Behandlung und einer Reduktion der Autoantikörper liefern, was einen bedeutenden Fortschritt für das Verständnis und die Behandlung der immunologischen Ursachen von ME/CFS mit Herzbeteiligung bedeuten würde.
6. Analyse des Rezeptorrepertoires von T-Zellen und B-Zellen durch Einzelzell-RNA-Sequenzierung bei Patient*innen mit ME/CFS und Post-COVID-Syndrom
Projektverantwortliche: Dr. Katja Schmidt & Prof. Dr. Thomas Harrer
Projektstandort: Universitätsklinikum Erlangen
Themenfokus: Biomarker
Zusammenfassung: Das Projekt untersucht, ob bestimmte Immunzellen und ihre Rezeptoren als Biomarker dienen können, um Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und ein Ansprechen auf immunmodulierende Therapien vorherzusagen. Mithilfe moderner Einzelzell-Sequenzierung werden Blutproben analysiert und untersucht, wie Behandlungen wie BC007 oder Kortikosteroide die Immunreaktionen beeinflussen. So sollen neue Ansatzpunkte für eine gezieltere Diagnose und Therapien identifiziert werden.
Mehr Details zum Projekt:
Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Autoimmunität bei ME/CFS und Post-COVID-Syndrom (PCS) eine wichtige Rolle spielt. Die Ähnlichkeit der Symptome lässt vermuten, dass beide Erkrankungen eine gemeinsame Pathophysiologie aufweisen. Der Nachweis funktioneller GPCR-Autoantikörper korrelierte bei PCS-Patient*innen mit Fatigue, doch ist bislang unklar, warum nur bestimmte Patient*innengruppen auf immunmodulatorische Therapien ansprachen. Daher werden zusätzliche Biomarker benötigt, um die Rolle der Autoimmunität bei ME/CFS und PCS zu klären und die Wirksamkeit immunmodulatorischer Behandlungen zu überwachen. Eine vielversprechende Strategie in diesem Zusammenhang ist die Analyse des B-Zell-Rezeptor-(BCR) und T-Zell-Rezeptor-(TCR) Repertoires von ME/CFS-und PCS-Patient*innen, um expandierte oder potenziell autoreaktive Klone zu identifizieren, die als Ziel für eine Therapie in Frage kommen. Im Gegensatz zur Bulk-Sequenzierung ist die Einzelzell-RNA-Sequenzierung (scRNA-seq) für den Nachweis klonal expandierter Immunzellrezeptoren (IRs) wesentlich sensitiver, da sie die Bestimmung des vollständigen BCR-und TCR-Repertoires im peripheren Blut ermöglicht und Informationen über den Differenzierungszustand sowie die metabolische Aktivität von Zellen mit unterschiedlichen BCRs und TCRs liefern kann. Die Projektverantwortlichen gehen davon aus, dass die scRNA-Seq-Analyse des Immunrezeptor-Repertoires ein sensitiver Biomarker zur Beurteilung der Pathogenese von ME/CFS und PCS sowie zur Überwachung des Ansprechens auf immunmodulatorische Behandlungen sein könnte. Im Rahmen des Projekts wollen die Forschenden klonal expandierte und potenziell autoreaktive BCRs und TCRs im peripheren Blut von ME/CFS-und PCS-Patient*innen identifizieren und die Epitope dieser Immunrezeptoren definieren. BCR-Epitop-Paare werden darüber hinaus in-vitro validiert, und klonal expandierte Immunrezeptoren werden zwischen ME/CFS-und PCS-Patient*innen sowie gesunden Kontrollpersonen verglichen. Zudem planen die Verantwortlichen, die Wirkung von Behandlungen wie BC007 und Kortikosteroiden auf das TCR-und BCR-Repertoire von ME/CFS-und PCS-Patient*innen hinsichtlich der potenziellen Eliminierung oder funktionellen Abschwächung expandierter und potenziell autoreaktiver Immunrezeptoren zu analysieren.
7. MARK-ME – Minimal-Biomarker-Panels für eine präzisere Diagnostik und personalisierte Therapie von ME/CFS
Projektverantwortliche: Prof. Dr. Birgit Sawitzki
Projektstandort: Berlin Institute of Health (BIH) @ Charité
Themenfokus: Biomarker
Zusammenfassung: Das Projekt soll objektive Blutmarker entwickeln, um die Diagnose von ME/CFS zu erleichtern und verschiedene biologische Untergruppen der Erkrankung zu unterscheiden. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden aus Immun- und Proteomikdaten die aussagekräftigsten Biomarker ausgewählt. Ziel ist es, die Diagnostik zu verbessern und künftig gezieltere, auf die jeweiligen Krankheitsmechanismen abgestimmte, Therapien zu ermöglichen.
Mehr Details zum Projekt:
Die Diagnose von ME/CFS basiert derzeit auf etablierten klinischen Kriterien; objektive diagnostische Biomarker sind bislang nicht verfügbar. Biomarker könnten die klinische Diagnosestellung jedoch ergänzen, indem sie eine standardisierte Klassifikation von Patient*innen ermöglichen, diagnostische Unsicherheiten und Verzögerungen verringern sowie als objektive Messgrößen für klinische Studien dienen. Biomarker gewinnen zudem an Bedeutung, da Forschungsergebnisse auf eine biologische Heterogenität von ME/CFS hinweisen und bei einem Teil der Erkrankten immunologische Fehlregulationen sowie autoimmune Mechanismen eine zentrale Rolle spielen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung minimaler Biomarker-Panels für die Diagnose und biologische Stratifizierung von Patient*innen mit ME/CFS. Aufbauend auf bestehenden hochdimensionalen Immun- und Proteomikdaten sollen mithilfe von Machine-Learning-Methoden jene Kombinationen von Biomarkern identifiziert werden, die eine möglichst hohe diagnostische Leistungsfähigkeit besitzen. Komplexe biologische Signaturen werden auf wenige aussagekräftige Biomarker reduziert und es wird untersucht, ob diese Biomarker-Panels eine zuverlässige Diagnose ermöglichen und eine biologische Stratifizierung in klinisch relevante Endotypen – Patient*innengruppen mit unterschiedlichen biologischen Krankheitsmechanismen – erlauben. Dadurch sollen die Voraussetzungen für eine objektivere Diagnostik und gezieltere Therapieentscheidungen geschaffen werden. Die Projektergebnisse sollen die Grundlage für die weiterführende analytische und klinische Validierung sowie die regulatorische Weiterentwicklung zu einem In-vitro-Diagnostikum (IVD) bilden. Das Projekt soll damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Diagnostik leisten und die Grundlage für zukünftige personalisierte Therapieansätze bei ME/CFS schaffen.
Details zu Vergabeverfahren und Projektauswahl
Im Zeitraum Februar-April 2026 konnten sich Forschende, die bei gemeinnützigen, staatlich anerkannten Hochschulen, Forschungs- oder Gesundheitseinrichtungen in Deutschland angestellt sind, auf Fördermittel im Rahmen des Research Funding Programme 2026 bewerben. Hierfür hatte die Stiftung zahlreiche Forschungsgruppen, Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen kontaktiert und auf das neue Förderprogramm hingewiesen. Als Schwerpunkte der Förderung wurden die Bereiche klinische, Grundlagen- sowie Translationsforschung zu ME/CFS-Krankheitsmechanismen, -Biomarkern und -Therapieoptionen definiert. Versorgungsforschung und psychosomatische Ansätze wurden von der Förderung ausgeschlossen. Insgesamt gingen zum Bewerbungsschluss 33 Förderanträge ein. Nach formaler Prüfung konnten 26 Anträge für den Begutachtungsprozess berücksichtigt werden. Die Begutachtung erfolgte durch eine Jury aus mehr als 20 internationalen Expert*innen aus 10 Ländern (darunter Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der ME/CFS Research Foundation) sowie dem wissenschaftlichen Team der Stiftung. 24 Projektanträge gingen aus dem Begutachtungsprozess als förderfähig hervor. Unter den am besten bewerteten Anträgen wurden sieben Projekte für die Förderung ausgewählt. Die Bewertung und Auswahl aller Projektanträge basierten auf vorab festgelegten Bewertungskriterien gemäß wissenschaftlicher Standards.
Was bedeuten diese neuen Projekte für die ME/CFS-Forschung?
Mit den sieben ausgewählten Projekten im Rahmen unseres Research Funding Programme 2026 möchten wir maßgeblich zur Weiterentwicklung des ME/CFS-Forschungsfeldes beitragen. Ergebnisse aus den Projekten, deren Laufzeiten zwischen 2-3 Jahren liegen, sollen unter anderem dazu dienen, in den nächsten Jahren größer angelegte Folgeprojekte zu ermöglichen (z. B. zur weiteren Therapie- oder Biomarkerentwicklung), die mit Fördermitteln der “Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen” finanziert werden könnten. Die vergleichsweise schnelle Vergabe unserer Fördermittel an neue Forschungsprojekte, die noch diesen Sommer beginnen sollen, fällt auf einen Zeitraum, in dem kürzlich die erste öffentliche Förderrichtlinie im Rahmen der “Nationalen Dekade” veröffentlicht wurde. In der aktuellen Übergangsphase, bevor sich das Forschungsfeld zu ME/CFS und postinfektiösen Erkrankungen maßgeblich vergrößern wird, fördern wir schnell und unbürokratisch Projekte, die zentrale Erkenntnisse für den Forschungsfortschritt in den nächsten Jahren generieren und somit die öffentliche Forschungsförderung im Rahmen der “Nationale Dekade“ inhaltlich sinnvoll ergänzen und bestenfalls beschleunigen.
Wie geht es weiter?
Ende 2026 werden wir das Umfeld der ME/CFS-Forschungsförderung in Deutschland (und international) erneut bewerten und unsere bisherige Förderstrategie für 2027 und darüber hinaus entsprechend ausrichten.
Eine Übersicht aller unserer Förderprojekte bisher haben wir auf einer eigenen Website zusammen gestellt.
Unsere Projektförderung ist aktuell das größte privat finanzierte Förderprogramm für ME/CFS-Forschung in Europa. Wir danken allen Unterstützenden unserer Arbeit! Das kontinuierlich steigende Spendenvolumen ermöglicht nicht nur die oben genannten Forschungsprojekte, sondern finanziert auch die Vernetzung von Forschenden, z.B. im Rahmen der International ME/CFS Conference und weitere Initiativen zur Aufklärung und Information über die ME/CFS-Forschung. All dies zeigt, wie viel Betroffene, Angehörige, Freundeskreis und weitere Unterstützende gemeinsam bewegen können. Das stimmt uns hoffnungsvoll für die Zukunft der ME/CFS-Forschung.
Wie kann man die Arbeit der ME/CFS Research Foundation unterstützen?
Obwohl Fortschritte erzielt wurden, ist es noch ein weiter Weg, bis die Diagnose, Versorgung und Behandlung von ME/CFS-Patient*innen eines Tages zum etablierten medizinischen und sozialen Standard gehören. Als ME/CFS Research Foundation fokussieren wir uns auf die biomedizinische Forschung, in der wir das Schlüsselelement zur Lösung dieser Probleme sehen (mehr dazu in unserer Förderstrategie und im letzten Halbjahresbericht, der unsere Aktivitäten zusammenfasst). Dafür brauchen wir umfassende Unterstützung von privaten Spendenden – Betroffene, Angehörige, Familien, Freunde, Vereine, Schulen, Netzwerke, Unternehmen, Initiativen, Veranstaltende und alle Unterstützenden. Und wer nicht direkt fördern kann, kann unsere Story teilen und so andere motivieren zu helfen. Denn nur gemeinsam können wir dieses Ziel erreichen.
Wir überführen Spenden und sonstige Unterstützung vollständig in wissenschaftlich exzellente Forschung, Vernetzung der Forschenden und schließlich sichtbare Erfolge, d.h. bessere Diagnostik und Therapien. Dabei arbeiten wir mit anderen Organisationen und Initiativen gerne zusammen – kommen Sie auf uns zu!
Wir freuen uns über jede Unterstützung: Für ME/CFS-Forschung spenden
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